Neutralität bedeutet Souveränität, Unabhängigkeit, Freiheit
Sie schützt unsere föderale direkte Demokratie
Interview mit Dr. oec. HSG Matthias Buob*
«Zeitgeschehen im Fokus»: Sie sind im Initiativkomitee der Neutralitätsinitiative. Was hat Sie dazu motiviert?
Dr. Matthias Buob: Als liberal denkender und freiheitsliebender Mensch ist es für mich eine Pflicht, für die Neutralitätsinitiative einzustehen. Für mich hat Freiheit mit Unabhängigkeit zu tun. Es bedeutet, eine eigenständige Position einzunehmen, ohne sich voreilig den Doktrinen der einen oder anderen Konfliktpartei anzuschliessen. Man darf positive und negative Kritik äussern in alle Richtungen, und das ist neutral.
(Bild https://matthias-
buob.ch
Neutralität ist ein liberales Prinzip. Meine Freiheit hört dort auf, wo die Freiheit des anderen anfängt. Man kann nicht die Souveränität anderer Staaten missachten und erwarten, dass dies ohne geopolitische Konsequenzen bleibt. Als Neutraler respektiere ich die Grenzen des anderen. Selbstverständlich darf ich auch anbringen, dass ich damit, wo der andere seine Grenze gesetzt hat, nicht einverstanden bin. Das darf man als Neutraler.
Was bringt die Neutralität der Schweiz als Land, und was bringt sie dem einzelnen Bürger?
Ich weiss nicht, ob die Frage, was die Neutralität bringt, richtig gestellt ist. Das wäre das falsche Prinzip, etwas zu machen, damit wir wieder davon profitieren. Neutralität ist vielmehr eine Wertgrundhaltung, die klar positive Effekte hat. Neutralität ist übrigens auch ein Urwert des Christentums. Man vergisst oft, dass unsere Wurzeln eben auch aus dieser Ecke kommen. Die philosophischen und kulturhistorischen Wurzeln unseres Landes sind eng mit christlich-humanitären Werten verknüpft. Das Gebot der Nächstenliebe fordert letztlich friedliche Koexistenz.
Ein einziges Gesetz – einfacher lässt es sich kaum auf den Punkt bringen. Schauen wir uns im Gegensatz dazu unsere Bibliotheken von Gesetzbüchern an.
Neutralität ist eine Wertgrundhaltung. Und ich glaube, für uns als Land, als Nation, als – ursprünglich mindestens – freiheitsliebende Nation ist es essentiell, neutral zu sein. Vom Freiheitsgedanken her, wie ich bereits gesagt habe, ist Freiheit Unabhängigkeit, und Unabhängigkeit ist Freiheit. Das bringt uns die Neutralität.
Die Neutralität führt uns zum Urprinzip der Eigenverantwortung. Dieses verlangt: selbstständig zu denken, souverän zu handeln und Missstände weltweit unzensiert beim Namen zu nennen. Wir dürfen – ja müssen – Missstände jederzeit unzensiert anprangern. Aber wir zeigen nicht mit dem Finger auf den Anderen, sondern versuchen, verschiedene Positionen objektiv wahrzunehmen.
Der Gewinn daraus ist klar. Wir sehen die Konflikte in unserer heutigen Welt aus einem ganz anderen Blickwinkel. Auf einmal merken wir, dass es eben nicht Schwarz und Weiss, nicht Gut und Schlecht gibt. Geopolitische Konflikte sind selten eindimensional. Wer genau hinsieht, erkennt komplexe Graustufen statt eines einfachen Schwarz–Weiss–Denkens. Es gibt nicht den Schuldigen und den Unschuldigen. Es sind alle ein bisschen schuldig. Und das Urprinzip, das wir von unseren Eltern gelernt haben, heisst: «Es braucht immer zwei zum Streiten.» Man schlägt sich nicht grundlos den Schädel ein, das gibt es nicht. Das bringt uns die Neutralität: Unabhängigkeit, Freiheit. Das ist in unserer Staatsraison verankert.
Kloster Magdenau. Zehn Pfähle laden zu Gedanken über den Frieden
ein. (Bild ms)
Wie sehen Sie die Bedeutung der Neutralitätsinitiative?
Neutralität ist eine Werthaltung. Aus strikt liberaler Sicht ist es eigentlich unsinnig, eine Werthaltung in eine Verfassung zu schreiben. Aber man sieht, dass mit der Neutralitätsinitiative bereits eine Diskussion angestossen worden ist, und in vielen Bereichen haben sich Bundesrat und Parlament politisch auf einmal etwas zurückgehalten. Sie hätten vermutlich anders agiert, wenn die Initiative nicht im Raum gestanden hätte. Die Initiative hat ein Nachdenken angestossen.
Ob die Initiative etwas bringt, wenn sie in der Verfassung steht, steht in den Sternen. Wir haben genügend Verfassungsartikel, gegen die tagtäglich von unseren Parlamentariern und Exekutivbehörden offensichtlich verstossen wird, und es passiert nichts. Aber letztendlich geht es darum, den Leuten mit der Initiative wieder die Wertgrundhaltung der Neutralität zu vergegenwärtigen und deren Sinnhaftigkeit aufzuzeigen.
Die Neutralitätsinitiative hat auch Gegner. Wen stört eigentlich die Neutralität?
In der Schweiz sind wir unterdessen finanziell betrachtet in einem System von Nettoprofiteuren. Wir beobachten eine wachsende strukturelle Abhängigkeit breiter Bevölkerungskreise und des öffentlichen Dienstes vom staatlichen System. Wer finanziell vom Status quo profitiert, scheut oft tiefgreifende Veränderungen. Was hat dies mit dieser Initiative zu tun? Man beisst nicht in die Hand, die einen füttert. Politiker haben ein finanzielles Interesse, ein Machtinteresse und das Interesse, wieder gewählt zu werden. Das heisst, dass man sich als Politiker an ein Machtsystem anbiedert, das einem all dies nachhaltig sichert.
Wenn man das Thema Rahmenverträge anschaut – die EU-Anbindung – oder die zunehmende institutionelle Verflechtung mit der Nato wird offensichtlich, dass manche Exponenten offenbar die grosse internationale Politbühne mehr reizt als den Fokus auf die Kernaufgaben unserer Milizarmee zu legen. Und jetzt sind das unsere politischen Exponenten, die von diesem System profitieren. Man bettet sich da sauber ein in dieses System. Die Bewahrer von Macht- und Finanzstrukturen tun alles dafür, um diese Strukturen zu bewahren und kein Störfeuer zuzulassen, das ihnen die Suppe versalzen könnte.
Dann wäre die Neutralitätsinitiative quasi eine Karrierebremse?
Ich weiss nicht, ob Karrierebremse das richtige Wort ist. Ich glaube, Machtstrukturbremse ist das richtige Wort. Föderalisten, Urdemokraten, unsere direkte Demokratie und föderale, strikt liberale Strukturen waren allen Machtleuten immer ein Dorn im Auge. Weshalb soll der Populus, wieso soll der Einzelne mitreden? Dass der engagierte Bürger, der Landwirt oder der Handwerker aufbegehrt und von seinem demokratischen Vetorecht Gebrauch macht – genau das versucht die politische Elite zu begrenzen. Das Föderale, das Urdemokratische, das will man nicht.
Und schauen Sie doch einmal, wo die Demokratie unterdessen angekommen ist in diesem Land. Wir verkaufen uns zwar noch als Urdemokratie. Aber worüber können wir denn noch entscheiden? Über Volksinitiativen, die im Endeffekt nicht mehr umgesetzt werden? Das ganze System ist ad absurdum geführt worden.
Wir haben eine Kaste von Berufspolitikern geschaffen. Schon bei der Gründung des Bundesstaates 1848 war die Bürgernähe das höchste Ideal. Heute hingegen erleben wir eine zunehmende Entfremdung durch einen professionalisierten Politbetrieb. Ich bin jetzt gerade in den Gemeinderat gewählt worden. Da werden Entschädigungen bezahlt, gegen die ich an der Gemeindeversammlung gerade angekämpft habe, leider erfolglos. Das sind keine Entschädigungen mehr, das sind Löhne.
Ein politisches Amt ist kein Ehrenamt mehr?
Es geht nicht mehr um einen Beitrag ans Gemeinwohl, es geht nicht um Föderalismus. Es geht um Karriere, Macht, Finanzen und darum, diese zu manifestieren und zu festigen. Es hat sich eine Klasse von Berufspolitikern etabliert, deren Biografien fast lückenlos im staatlich subventionierten Raum verlaufen und die den Bezug zur realen Wirtschaft gar nie erlebt oder verloren haben. Sie haben studiert auf Staatskosten, sie leben auf Staatskosten, und auf Staatskosten sagen sie uns, wie die Welt funktioniert. Sie wollen ihre Macht, ihren Einfluss festigen, nachhaltig ihren Finanzfluss sicherstellen in diesem Klüngel von politischen Machtstrukturen.
In unseren Nachbarländern sind schon längstens alles Berufspolitiker. Bei uns sind Milizpolitiker hingegen am Aussterben. Wir schaffen eine neue Generation von Berufspolitikern. Und denen allen versalzt man mit der Neutralitätsinitiative die Suppe. Und diese tun ihr Möglichstes, um ihre Interessen zu sichern. Darum wird die Initiative so bekämpft, weil sie dazu beiträgt, unsere föderalen, urdemokratischen Strukturen zu erhalten.
Heisst das, dass wir das Machtproblem nicht unterschätzen dürfen?
Ja, wir würden ja allen umliegenden Regierungen in die Suppe spucken. Wenn man als neutraler Staat auf einmal sagt: «Hey, Angreifer, es ist ein «No go» einfach in ein Land einzufallen. Das geht gar nicht.» Und dann: «Hey, Gegenseite, die Religion zu verbieten, die Sprache verbieten. Das geht gar nicht.» Dann steht man zwischen den Blöcken. Das muss man aushalten. Aber leider haben wir eine Politikerkaste, die keinen Mut und kein Rückgrat hat.
Als freiheitlicher, unabhängiger, demokratischer und neutraler Staat muss man sich jedoch zwischen die Konfliktparteien stellen können. Man muss das Unrecht beim Namen nennen und Lösungen finden, die Frieden stiften. Das braucht Rückgrat. Darum müssen wir die unabhängigsten, die besten, die kritischsten, die unangenehmsten Geister in der Politik haben.
Wie müsste sich die Schweiz als neutrales Land im Ukraine-Konflikt verhalten?
Da habe ich eine klare Haltung. Die Schweiz als freiheitlich-demokratisches und unabhängiges System darf keine Sanktionen übernehmen, die sie nicht selbst verhängt hat. Der Bundesrat hat in einer ersten Phase richtig reagiert und die Handelsbeziehungen dort eingefroren, wo sie vor dem Konflikt waren. Damit kann ihm niemand vorwerfen, er würde aus einem Konflikt Kasse schlagen. Mit einem solchen Verbleib auf dem Vorkriegsniveau ist garantiert, dass wir aus dem Leid kein Kapital schlagen, ohne wirtschaftliche Kriegsführung zu betreiben.
Natürlich geht es auch darum, wie die Handelsvolumen zusammengesetzt sind. Es darf nicht sein, dass man den Handel mit einer Konfliktpartei in Rüstungsgüter verschiebt. Rüstungsgüter, das geht aus neutraler Sicht nicht. Die Schweiz darf sich weder direkt noch indirekt an diesem Konflikt beteiligen.
Warum muss die Neutralität immerwährend und bewaffnet sein?
Kürzlich hat mir ein hoher Militär eine lustige Analogie erzählt. Er hat mich gefragt: «Wem hast du auf dem Pausenplatz das Pausenbrot geklaut? Zuerst einmal willst du das beste Pausenbrot, und wem klaust du es?» «Ja, dem Schwächsten.» Mehr muss ich eigentlich gar nicht sagen. Wir sind ein Staat, der meiner Meinung nach viel zu bieten hat, ein grosses Pausenbrot.
Und wenn man dieses Pausenbrot nicht verteidigen kann, dann ist man einfach verloren. Und verteidigen heisst eben in allen Bereichen: durch Politiker, die hinstehen und für unser Land einstehen, bis zu einer Armee, die, wenn das Land von aussen bedroht wird, sagt: «Bürschchen, du kannst schon kommen. Kommt nur. Aber ich sage euch Eines. Mindestens ein blaues Auge holt ihr euch!»
Als ich damals in die Armee eingetreten bin als junger Rekrut, habe ich immer gesagt, für das Land einzustehen, bedeutet für mich, sicherzustellen, dass meine Schwestern – ich habe vier – und meine Freundin nicht vergewaltigt und dass Männer nicht ermordet werden. Da stehe ich noch lange irgendwo – bis zum letzten Schuss – , bevor ich das zulasse. Und das war für mich immer die Motivation zu sagen: «Wir sind nicht aggressiv. Wir sind eine Defensivarmee.»
Aber wenn jemand kommt, wenn mir jemand die Faust ins Gesicht schlägt, dann schlage ich zurück. Aber ich würde nie als Erster zuschlagen.
Das habe ich übrigens auch meinen Kindern immer gesagt: «Bei einem Konflikt schlägt man nicht zu. Das macht man nicht. Man kann auch reden mit dem anderen. Aber wenn euch jemand schlägt, dann schlagt mit aller Kraft zurück.» Ich sehe es nicht wie das Neue Testament und halte die andere Wange nicht hin.
Und darum müssen wir eine verteidigungsstarke Armee haben. Aber sind wir ehrlich, davon sind wir schon längstens weit, weit entfernt. Die Armee hat man in den 28 Jahren, seit ich in der Armee bin, systematisch mit bürgerlicher Unterstützung kaputt gemacht.
Man hat das ganze Armeematerial verscherbelt.
Wertvolles Armeematerial wurde über Jahre hinweg voreilig liquidiert. Zudem vermisse ich in Teilen der militärischen Führung den Mut zu unkonventionellem, strategischem Denken. Bei der Auswahl unserer militärischen Führungskräfte läuft einiges schief, und das beunruhigt mich. Und die fähigen Leute, die es im Berufscorps definitiv gibt, die werden systematisch diffamiert, kaputtgemacht und tief gehalten.
Gleichzeitig erlebe ich, dass engagierte Leute im Berufscorps es oft schwer haben, sich mit konstruktiven Vorschlägen durchzusetzen. Ich erlebe das in meinem militärischen Alltag immer wieder. Es erstaunt mich selbst, dass ich im Militär so weit gekommen bin. Ich bringe regelmässig Lösungsvorschläge ein, auch wenn diese nicht immer auf offene Ohren stossen. Wie bereits erwähnt, bewegen wir uns damit wieder im gleichen Klüngel, in den gleichen Machtstrukturen.
Das ist so, die Armee ist kaputtgemacht worden. Man hat die Armee auch strategisch immer wieder in eine völlig falsche Richtung geführt. Das ist meine persönliche Meinung.
Ich bin kein Spezialist für Rüstungsentwicklung, aber ich bin ein Beobachter. Wenn man die Konflikte der letzten 50, 60 oder 70 Jahre anschaut – man kann zurückgehen bis zum Vietnamkrieg – und sich fragt, wer in diesen Konflikten gewonnen hat, hat meiner Meinung nach immer diejenige Armee das Rennen gemacht, die ganz viel Manpower gehabt hat, nicht die hochgerüstete, hochtechnisierte Armee, sondern die Armee mit viel Manpower und hoher Motivation, von Vietnam über Irak und Afghanistan bis zum Iran.
Ich bin kein Historiker, aber das sind meine persönlichen Beobachtungen.
Und das muss man jetzt auf die Schweiz übertragen. Die legendäre Armee 61 mobilisierte bei fünf Millionen Einwohnern über 600 000 Wehrmänner. Heute, bei fast 9,5 Millionen Einwohnern, ist der Sollbestand auf magere 100 000 zusammengeschrumpft. Die kritische Masse fehlt. Wenn wir die damaligen Zahlen hochrechnen, müssten wir weit über einer Million liegen oder mindestens bei einer Million.
Jetzt wird mir natürlich vorgeworfen, ich sei ein Ewiggestriger, würde rückwärts schauen, die alten Zeiten verherrlichen und sei gegen den Wandel. Das bin ich überhaupt nicht. Ich bin sehr offen für neue Technologien. Aber man kann es drehen und wenden, wie man will, selbst wenn uns Roboter gegenüberstehen – und das wird nicht mehr lange dauern – dann hat man mit Manpower, mit einer Million Mann, mehr erreicht als mit ein paar Drohnen und ein paar wenigen Panzern.
Berichte aus dem Ukraine-Konflikt zeigen, wie verwundbar hochtechnisierte Grosssysteme wie Kampfpanzer in modernen Drohnenkriegen geworden sind. Das untermauert die Bedeutung einer dezentralen Verteidigung.
Mit einer Defensivarmee mit einer Million Mann unter Waffen – damit meine ich ein Sturmgewehr und eine Panzerfaust – könnte man viel ausrichten. Damit würde man die technologisierteste Armee in Bedrängnis bringen. Wenn einem da an jeder Hausecke eine Panzerfaust entgegenrauscht oder ein Kügelchen abgeschossen wird. Das ist zermürbend. Das macht einen fertig.
Bei der Frage der Armee geht es auch um ein ideelles Problem. Wir haben es unterlassen, unseren Leuten zu vermitteln, wozu wir unsere Armee eigentlich haben. Ich habe mit Personen diskutiert, die den Militärdienst verweigert haben. Ich fragte sie: «Wenn du ein Haus hast, hast du dann auch eine Brandschutzversicherung?» Sie schauten mich etwas komisch an und antworteten: «Ja, logisch hat man das.» Dann fragte ich: «Kennst du in deinem Umfeld jemanden, dem das Haus abgebrannt ist.» Sie sagten: «Nein.»
Ich antwortete: «Auch ich kenne in meinem Umfeld niemanden, dem das Haus abgebrannt ist. Aber jeder hat eine Brandschutzversicherung. Jeder. Die kostet viel Geld. Unsere Armee ist unsere Brandschutzversicherung. Die wird ein Leben lang nie gezogen, zwei Generationen, drei Generationen lang, nie, hoffentlich auch!
Hoffentlich brauchen wir diese Versicherung nie! Aber ich sage euch eines, wenn der Brand kommt, dann stehen wir bereit mit Pauken und Trompeten, mit primitivsten Waffen vielleicht, mit primitivsten Feuerlöschmanövern. Aber diesen Brand, den löschen wir mit vereinten Kräften.» Und ich glaube, das hat man verpasst in der Armee, unseren Leuten den Sinn unserer Armee zu erklären.
Wir möchten unsere Armee mit den modernsten Waffen ausrüsten. Es ist halt cool, Technologiemessen zu besuchen und Material mit den neusten Features zu bestaunen. Fehlkäufe wie das in Israel beschaffte Drohnensystem, das unter Schweizer Bedingungen jahrelang mit massiven Zulassungsproblemen kämpfte, verdeutlichen den strategischen Leerlauf im Beschaffungswesen. Das ist völlig absurd, dieser Schwachsinn, der da betrieben wird.
Wir müssen doch gar nicht mehr sein, als wir sind. Unsere Armee muss doch gar nicht mehr als eine Brandschutzversicherung sein, auch wenn sie vielleicht ein bisschen primitiv ist, aber wir haben eine.
Aber diese Sinnvermittlung braucht es. Unsere Armee muss nicht zu den besten, grössten und technisch weit fortgeschrittensten gehören, sondern sie ist einfach eine Brandschutzversicherung, und zwar eine potente Armee hinsichtlich ihrer Anzahl. Eine Million Menschen mit einem Wasserkübel in der Hand bringt mehr als 1000 mit einem Löschschlauch, wenn man einen Grossbrand hat.
Herr Buob, herzlichen Dank für das Gespräch.
| * Matthias Buob ist Unternehmer, promovierter Ökonom, Milizpolitiker (Gemeinderat) und Oberst im Generalstab der Schweizer Armee. In seiner ordnungspolitischen Haltung vertritt er eine konsequent liberale Position im Sinne der Österreichischen Schule der Nationalökonomie, geprägt von Denkern wie Friedrich August von Hayek und Ludwig von Mises. |
(Interview geführt von Henriette Hanke Güttinger und Ursula Cross)
Quelle: https://zgif.ch/2026/08/19/neutralitaet-bedeutet-souveraenitaet-unabhaengigkeit-freiheit/, 19. August 2026
(Zweitpublikation mit freundlicher Genehmigung der Redaktion der Publikation «Zeitgeschehen im Fokus».)